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Bilingualer Unterricht: Historie und Hintergründe

Bilingualer Unterricht ist in der deutschen Schullandschaft seit 20 Jahren etabliert
  • In Deutschland existieren z.Zt. ca. 250 bilinguale englischsprachige Züge oder Zweige an Schulen, davon 150 an Gymnasien. Die Ursprünge des bilingualen Unterrichtes liegen jedoch in deutsch-französischen Schulzweigen, deren Zielsetzung und Schwerpunkt eine Verstärkung der deutsch-französischen Freundschaft war.

Was ist „bilingualer Unterricht“?

  • Die Sprache ist nicht der Lerngegenstand, sondern das Medium zur Bewältigung fachspezifischer Lern- und Arbeitsprozesse. Dabei erfolgt eine Integration von fachlichem und sprachlichem Lernen. Methodik und Didaktik richten sich am Sachfach aus.
  • Für die Schüler erfolgt im bilingualen Unterricht eine Umstellung vom Lernen der Fremdsprache zum Lernen in der Fremdsprache. Englisch ist die übliche Arbeitssprache im Unterricht, alters- und leistungsabhängig schwankt der Anteil der deutschen Sprachanteile im Unterricht.
  • Durch realitätsnahe Anwendung der Sprache wird Fachwissen vermittelt. Daher ersetzt der bilinguale Unterricht nicht den Sprachunterricht, sondern er erweitert und ergänzt ihn.
  • Die Bewertung richtet sich nach den Kriterien des Sachfaches, Rechtschreibefehler in der Fremdsprache werden daher i.d.R. nicht gewertet, Schüler dürfen auch auf deutsch fragen bzw. antworten.
  • Im bilingualen Unterricht wird abhängig von Situation und Unterrichtsinhalt auch deutsch gesprochen, das Fachvokabular wird bilingual erlernt.

Warum bilingualer Unterricht?

  • Begründung des bilingualen Unterrichtes:
    • Interkulturelle Verständigung, Eintauchen in fremde Kulturen
    • Bessere Voraussetzungen zur Bewältigung eines Studiums, bei dem Fremdsprachen eine immer wichtigere Rolle spielen
    • Bessere Berufschancen in einer globalisierten Welt
    • tiefere Durchdringung des Unterrichtsinhalt durch die Verwendung fremdsprachlicher Texte

Fächerkanon

  • Allgemein wird bilingualer Sachfachunterricht noch von geisteswissenschaftlichen Fächern dominiert, nur in 14% der Schulen wird naturwissenschaftlicher bilingualer Unterricht angeboten. Ursache hierfür sind historische Gründe: geisteswissenschaftlicher Unterricht erschien besonders geeignet, partnerschaftliche Verständigung zu fördern und tiefer in die fremde Kultur einzudringen.
  • Naturwissenschaften sind jedoch für bilingualen Unterricht besonders geeignet:
    • Englisch ist die lingua franca der Naturwissenschaften
    • authentisches Unterrichtsmaterial ist daher verfügbar
    • Fachvokabular ist überschaubar
    • An Problemlösungen orientierter Experimentalunterricht bietet klare, immer wiederkehrenden Stundenaufbau und somit sich häufig wiederholende Strukturen
    • Unterstützung der sprachlichen Darstellung durch erläuternde Symbolsprache
  • An der Lichtenbergschule werden daher die Synergien der Schwerpunkte Sprachen (Schulisches Zentrum für Sprachen- und Begabtenförderung) und Naturwissenschaften (MINT-EC, vom VCI ausgezeichnete Schule, Bildungspartnerschaft Merck) genutzt, um v.a. bilingualen Unterricht in naturwissenschaftlichen Fächern anzubieten.

Qualifikation der Lehrkräfte

Traditionell sind in Deutschland mit einem Studium der Fremdsprache Englisch Fächer des gemeinschaftskundlichen oder musisch–künstlerischen Bereichs, seltener jedoch naturwissenschaftliche Sachfächer verbunden. An der LuO werden im bilingualen Sachfachunterricht zum einen Lehrer mit der Fakultas für Englisch und einem Sachfach, aber auch Lehrer, die über bilinguale Unterrichtserfahrung an internationalen Auslandsschulen verfügen oder die länger im Ausland gelebt haben, sowie Muttersprachler eingesetzt.

Auswertung bilingualen Unterrichts in der DESI-Studie

Die Studie „Deutsch Englisch Schülerleistungen International“ untersuchte die sprachlichen Leistungen und die Unterrichtswirklichkeit in Deutsch und Englisch und wurde 2001 von der KMK als erste große deutsche Schulleistungsstudie in Auftrag gegeben unter Federführung des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogik. Dabei wurden 11000 Schüler der Jahrgangsstufe 9 im SS 2003/2004 befragt und getestet.

· Zitat: „Ein Erfolgsmodell für die Förderung sprachlicher Kompetenzen..... sind bilinguale Angebote. DESI untersuchte.....38 Klassen, die ab der siebten Jahrgangsstufe zumindest in einem Sachfach, meist jedoch in zwei bis drei Fächern Englisch als Unterrichtssprache verwendet hatten. Solche zusätzlichen Lerngelegenheiten wirken sich auf die Englischleistungen dieser Schülerinnen und Schüler, insbesondere auf deren kommunikative Kompetenz, besonders positiv aus: Sie erreichen im Hörverständnis bis zum Ende der Jahrhangsstufe neun gegenüber Schülerinnen und Schülern mit vergleichbaren Ausgangsbedingungen einen Vorsprung von etwa zwei Schuljahren.


letzte Änderung: 03.12.2014
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