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Neues Pädagogisches Raumkonzept

Der Raum als dritter Pädagoge

„ Jedes Kind hat drei Lehrer. Der erste Lehrer sind die anderen Kinder, der zweite ist der Lehrer selbst und der dritte Lehrer ist der Schulraum.“

Wozu brauchen wir ein pädagogisches Raumkonzept?

Räume haben großen Einfluss auf das Schulklima und auf die Unterrichtsqualität. Eine gute Schule benötigt daher ein gutes pädagogisches Raumkonzept.

Ein gutes pädagogisches Raumkonzept ist eine Voraussetzung dafür, dass Kinder und Jugendliche unsere Schule als attraktiven Lern — und Lebensraum erleben und sich so mit unseren Bildungs- und Erziehungszielen identifizieren können.

Der Erziehungsauftrag wird durch gesellschaftliche Veränderungen faktisch immer stärker von den Eltern auf die Schulen übertragen. Dem müssen wir Rechnung tragen, indem wir den Erziehungsgedanken und die individuelle Förderung stärken und einen klareren Ordnungs- und Bezugsrahmen für die Schülerinnen und Schüler schaffen.

Wir benötigen daher ein pädagogisches Raumkonzept, das Selbstverantwortung und das selbstständige Lernensowie die Identifikation unserer Schülerinnen und Schüler mit der Schule und dem schulischen Eigentum fördert und organisiert.

In einem pädagogischen Raumkonzept steckt ein großes Potenzial für eine Pädagogik der „sozialen Bindungen und menschlichen Wärme an der Schule“.

Pädagogische Chancen der Schulbausanierung und der Investitionsprogramme

In den letzten Jahren konnten wir dank einer vorausschauenden Planung und einer unbürokratischen Zusammenarbeit mit der Schulverwaltung und dem früheren Hochbau - und Maschinenamt (heute IDA) zukunftsweisende Verbesserungen in der Infrastruktur der Schule im Rahmern der vorhandenen Mittel erreichen. Dazu gehören z.B. die Einrichtung einer Mensa mit 120 Plätzen und das kleine Wissenszentrum für die Unterstufe.

Auch im Rahmen der energetische Sanierung unseres Schulgebäudes müssen wir eine „Doppelstrategie“ verfolgen: Wir müssen nicht nur unser in die Jahre gekommenes Gebäude in Stand halten und Energie einsparen, sondern auch ein pädagogisches Raumkonzept einer Schule im Ganztagsbetrieb verfolgen.

Dazu müssen wir dasbestehende Raumkonzept nach pädagogischen Gesichtspunkten grundlegend überarbeiten. Dabei dürfen — im begrenzten Maße - auch Umbaumaßnahmen kein Tabu sein, denn es geht darum,humane Arbeits -und Lebensbedingungen für Menschen zu schafften, die zum Teil mehr als 8 Stunden miteinander in den Räumen der Schule verbringen.

Die Veränderung des pädagogischen Raumkonzepts ist in einer bestehenden Schule schwieriger, als eine Schule neu zu errichten. Die Gefahr, hier additiv und nicht integrativ vorzugehen ist groß.

Deshalb halten wir es für sinnvoll, einen Gesamtplan („Masterplan“) zu entwickeln und danach Schritt für Schritt vorzugehen.

Das Raumprogramm einer Ganztagsschule

Das Raumprogramm einer Ganztagsschule soll sich an den Bedürfnissen von Kindern und jungen Menschen orientieren, die eine erhebliche Zeit ihrer Jugend in der Schule verbringen.

Folgende Räume sollten daher zur Verfügung stehen:

- Speiseraum mit zugehöriger Zubereitungsküche

In den Essbereichen muss „mit Genuss und Anstand“ gemeinsam gegessen werden können, das bedeutet keine zu großen Räume, Essen in Kleingruppen an Tischen ist takweise in kleinen Räumen möglich.

- Freizeitbereich, Bereich für Bewegungsspiele (z.B. Tischtennis)

- Schülerbibliothek

- Räume für Hausaufgabenhilfe. Arbeitsgruppen

- Mehrzweckräume mit Bühnen, auch zum Feiern, für gemeinsame Aktionen und veranstaltungen

- Ausstellungsbereiche und Ausstellungsmöglichkeiten, Vitrinnen etc. (Kann z.B. auch im Flur oder im Foyer sein)

- Einzel-Arbeitsplätze, wo außerunterrichtlich in Ruhe und ungestört alleine gearbeitet werden kann, kann auch in andere Raumbereiche integriert werden

- Toiletten, ausreichende Anzahl, von klarer Struktur, sorgfältig geplant und daher auch ästhetisch ansprechend, in sauberem, gepflegten Zustand, Kleingruppen zugeordnet, besser viele kleine WC-Anlagen, die zu Raumeinheiten zugehörig sind als zentrale Riesenanlagen.

Gestaltungsprinzipien

Doch wie soll die Schule gestaltet sein, die neues Lernen ermöglicht?

Bauliche Patentrezepte gibt es nicht. Aber anerkannte Beispiele für gute Schulen im In-und Ausland zeigen, dass einige Gestaltungsprinzipien immer wieder auftauchen, aber unterschiedlich ausgeprägt sein können. Hier eine Auswahl, die für unsere Schule von großer Bedeutung sind:

- „Schule in der Schule“: Aufteilung in kleinere, deutlich abgrenzbare überschaubare Einheiten, z.B. durch gruppierte Raumeinheiten. Allgemein gilt: Steigt die Größe einer sozialen Einheit über 120 bis 150 Mitglieder, steigen die sozialen Risiken der Anonymisierung, des Vandalismus, der „Verantwortungsdiffusion“ überproportional an.

- Deutlich markierte Zonen unterschiedlicher Aktionsfelder: Nischen, Rückzugsmöglichkeiten, Ruhezonen, Arbeitszonen, Zonen für Spiel, Sport, Natur, Aufteilung in Bereiche

- Ansprechendes Äußeres

- Einbeziehen des Außenraumes durch gezielte Ausblicke

- Flexible Möblierung für Methodenwechsel, ausreichende Abstellmöglichkeiten für Schultaschen, persönliches Material.

- „Verkehrsflächen“ werden Erlebnisflächen

- Viel Tageslicht

Das pädagogische Potenzial unserer Räume

Die Lichtenbergschule hatte 1966 ein sehr modernes pädagogisches Raumkonzept, das z.B. Klassengrößen für maximal 25 Schülerinnen und Schüler pro Klasse vorsah. „ Keine Wanderklassen mehr, in den Fachsälen nur noch Fachunterricht, jede Klasse hatte ihren Klassensaal für sich“, beschreibt die Festschrift auf Seite 48/49. **

Auch der so genannte Neubau war für eine moderne Pädagogik konzipiert. Es gab Teamgruppenräume für die Lehrer, Werkstatträume und eine Küche.

Das warengute Voraussetzungen für eine Schule, in der soziale Bindungen aufgebaut und gepflegt werden können, wo menschliche Wärme und Geborgenheit, wo Verantwortungsbewusstsein entstehen kann, wo intellektuelle und praktische Aktivitäten sich gleichermaßen entfalten können

Wenn man mit der neuen Idee durch dieses Gebäude geht, erkennt man sein pädagogisches Potenzial

Doch die steigenden Schülerzahlen haben schon zwei Jahren nach Eröffnung der Schule dazu geführt, dass die Ansätze eines zukunftsweisende Raumkonzept der Lichtenbergschule zu Gunsten einer bloßen Versorgung der Schülerinnen und Schüler aufgegeben bzw. zurückgebaut wurde: Die räumlichen Engpässe wurden zu Lasten des pädagogischen Raumkonzepts gelöst.

Die negativen Auswirkungen auf das Bildungs-und Erziehungskonzept der Schule wurden nicht bedacht.

Unsere Überlegungen zielen auf eine Wiederbelebung und eine Weiterentwicklung des pädagogischen Raumkonzepts im Rahmen der vorhandenen Grundstruktur.

Problemfelder und Lösungsansätze

Heute hat die Lichtenbergschule über 1600 Schüler. Selbst nach Abschluss der Umstellung auf den verkürzten Bildungsgang werden wir mehr als 1400 Schüler haben.

Die Verkürzung des gymnasialen Bildungsganges stellt unsere Schule vor erhebliche pädagogische, organisatorische und logistische Probleme.

Diese Probleme sind grundlegender Natur. Notlösungen helfen uns nicht mehr weiter. Zwischenlösungen müssen im Rahmen eines Masterplans gefunden werden, damit die notwendige Weiterentwicklung des pädagogischen Raumkonzepts nicht erneut „verbaut“ wird.

1. Die vorhandenen Räume reichen nicht aus

Das hat zwei Gründe:

  • Die Zahl der Oberstufenschüler steigt, weil mehr Schüler in die Oberstufe wechseln als früher (180 statt 120 Schüler in Klasse 11, insgesamt 700 SuS in 2012 statt 490 SuS aktuell)
  • Wegen der Kursstruktur der Oberstufe steigt dementsprechend auch der Bedarf an Kursräumen. Wir rechnen mit einem zusätzlichen Bedarf von ca. 10 Räumen.

Zu bestimmten Zeiten überschreiten wir bereits jetzt die Grenze des Raumplans, weil Räume überbelegt (Sporthallen) oder zweckentfremdet (Computerräume, Sprachenwerkstatt) sind.

Die zu erwartenden 700 Schülerinnen und Schüler in den Doppeljahrgängen bis 2013 können in einer 5-Tage-Woche in den Räumen der Lichtenbergschule nicht unterrichtet werden.

Auf diese Probleme haben wir den Schulträger bereits vor mehreren Jahren aufmerksam gemacht (Vgl. Unseren Beitrag zum Schulentwicklungsplan; Gespräch mit Herrn Dr. Molter und Herrn Hartmann)

Lösungsansatz zur Überbrückung des Raumengpasses für die Umstellungszeit von G-9 auf G-8 bis 2013:

  • Zeitweise Auslagerung einer kompletten Jahrgangsstufe mit 180 SuS z.B. in die nahe gelegenen Kasernen
  • Samstagsunterricht (auch unter dem Aspekt der Entlastung der Mensa) für bestimmte Jahrgänge.

2. Die Mensa mit 120 Plätzen reicht für 1600 Schüler im Ganztagsbetrieb nicht aus.

Die Schüler haben keine alternativen Rückzugsmöglichkeiten im Ganztagsbetrieb.

Die„Mensa“ erfüllt bestimmungsgemäß eine Doppelfunktion als Cafeteria und Mensa und als Aufenthaltsbereich für die Oberstufenschüler.

In der Mittagszeit soll die Mensa nur zur Einnahme eines warmen Mittagessens und nicht als Aufenthaltsraum genutzt werden.

Diese führt zu ständigen Konflikten mit Schülern der Oberstufe, die sich aus der Mensa gedrängt fühlen. Dies hat zu einer erheblichen Belastung des Schulklimas geführt hat. Mit dem Anstieg der Anzahl der Oberstufenschüler werden die Konflikte in der Mensa noch steigen.

Mit derEinrichtung der LuO Lounge als Cafeteria speziell für die Oberstufe im Atriumgebäude wollen aktive Eltern des Fördervereins einen Aufenthaltsraum speziell für die Oberstufe schaffen und damit auch für eine Entlastung der Mensa sorgen.

Diese Aktion erhält große Unterstützung aus der Schulgemeinde und geschieht in Abstimmung mit IDA. Wir hoffen auch hier auf eine Einbindung des Projekts in den Finanzierungsrahmen der Sanierungsprogramme

Schon stellen aber auch die Mittelstufenschüler „Ansprüche“ auf einen eigenen Aufenthaltsbereich. Die berechtigten Anforderungen aller Schülerinnen und Schüler sind daher durch Teillösungen für einzelne Gruppen nicht zu befriedigen bzw. erfordern ein übergreifendes Konzept.

Lösungsansätze für zusätzliche Aufenthaltsbereiche

  • Überdachung des Atriums und Nutzung des Innenhofes als Aufenthaltsbereich mit dezentraler Versorgung durch den Schülerkiosk und als Versammlungsraum (als Ersatz für die Aula)
  • LuO Lounge als Cafeteria für Oberstufenschüler und Lehrkräfte
  • Umwidmung des kleinen Wissenszentrum zum Clubraum für die Oberstufe
  • Umwidmung des „Glaskastens“ zum Treffpunkt für die Mittelstufe.

3. Das Fehlen eines pädagogischen Raumprogramms wirkt sich nachteilig auf unser Erziehungskonzept aus.

Der Erziehungsauftrag für die SuS der Unter- und Mittelstufe wird durch gesellschaftliche Veränderungen immer stärker von den Eltern auf die Schulen übertragen. Das Fehlen eines pädagogischen Raumprogramms wirkt sich zunehmend nachteilig auf unser Erziehungskonzept für die jüngeren Schülerinnen und Schüler aus. Disziplinprobleme treten in letzter Zeit immer häufiger auf.

Wir benötigen daher ein Raumkonzept, das den Erziehungsgedanken und die individuelle Förderung stärkt und einen klareren Ordnungs- und Bezugsrahmen für die Schüler schafft.

Die Größe und Weitläufigkeit unseres Schulgeländes fördert im hohen Maße die sozialen Risiken der Anonymisierung, des Vandalismus und der „Verantwortungsdiffusion“.

Wir benötigen daher ein Raumkonzept, das soziale Bindungen und menschliche Wärme ermöglicht und die personelle Orientierung, Selbstverantwortung und die Identifikation mit der Schule und dem schulischen Eigentum fördert und organisiert.

Jüngere und ältere Schülerinnen und Schüler haben unterschiedliche Bedürfnisse an die Strutur und Ausstattung von Räumen.

In einem Raumkonzept, dass auf die verschiedenen Entwicklungsstufen der Schüler Rücksicht nimmt, haben die Räume der Jüngeren einen beschützenden Charakter, während die der Älteren ihrer zunehmenden Selbstständigkeit entgegenkommen.

Lösungsansätze

  • Verlagerung der Klassen 5 bis 7 in den Neubau.Aufbau einer gemeinsamen Lernwelt als (fast) komplette Einheit („Schule in der Schule“)

Kennzeichen einer „Lernwelt“

    • Klassenraum als fester Bezugsrahmen
    • Lernwerkstatt mit entsprechender Ausstattung für die individuelle Förderung (Forderung aus der Schulinspektion)
    • Ganztagsstruktur (Schränke, Kleingruppenräume, Aufenthaltsbereiche, Teamräume für Lehrkräfte)
    • Die Lernwelt enthält (fast) alle erforderlichen Fach- und Sozialräume.
    • Jahrgangsteams der Lehrer

  • Konzentration der Jahrgangsstufen 8 und 9/10 (G-9) und der Oberstufe im Atriumgebäude.

Das Raumkonzept der Sekundarstufe II muss eher einer Kollegstufe entsprechen

    • Spezielle Kursräume mit erwachsengerechter Bestuhlung
    • altersgemäße Aufenthalts- und Rückzugsräume (LuO Loune, Clubraum)
    • Jahrgangsteams der Lehrer/Stützpunkt?
    • Eigener Flur mit Toiletten

Die Jahrgangsstufe 10 (G-9) wird der Oberstufe zugeordnet.

Das Raumkonzept der Einheit „Jahrgangsstufen 8 und 9“ hätte folgende Grundstruktur:

    • Gemeinsame Nutzung von Klassenräumen
    • Eigener Flurbereich mit Aufenthaltsraum „Treffpunkt“
    • Stützpunkt für die Klassenlehrer

Konkretere Vorstellungen zu den Raumkonzepten müssen noch entwickelt werden.

  • Verantwortungsbereiche nach dem Prinzip „Gastgeber“ —„Gast“.

Da die Schule zu wenig Klassen- und Kursräume hat, werden die Lerngruppen der unterschiedlichen Jahrgänge nach wie vor gemeinsame Räume nutzen.

Mit dem Konzept „Gastgeber“-„Gäste“ wird jedoch die Gestaltungsmacht und Verantwortung in den Räumen definiert. In den Kursräumen der Oberstufe sind die Schüler der Klasse 8 und 9 Gäste und umgekehrt.

Der Verantwortungsbereich umfasst auch die anderen Räume und Außenbereiche, die der jeweiligen Jahrgangsstufe zugeordnet sind.

Diese Maßnahmen soll zum kommenden Schuljahr 2009-10 bereits umgesetzt werden.

5. Ein gravierender Mangel ist seit Jahrzehnten der desolate Zustand der Toiletten der Schülerinnen und Schüler.

Wir machen seit gut einem Jahrzehnt darauf aufmerksam. Die Schulinspektion hat auf diese grundlegendenMängel in ihrem Bericht ausdrücklich hingewiesen

Der Einsatz der jüngst bewilligten Mittel zur Sanierung der Toiletten muss dem Bedarf und den Bedürfnissen der Schülerinnen und Schüler stärker Rechnung tragen und erfordert daher auch ein modernes Konzept.

Die Sanierung soll in das pädagogische Raumprogramm integriert werden. Die Schüler sollen bei der Gestaltung beteiligt werden.

Zur Gestaltung liegen Vorschläge der Schülerverwaltung vor.

6. Die Größe des Lehrerzimmers im Verwaltungstrakt ist unzureichend

Die Schulinspektion hat die Größe des Lehrerzimmers im Verwaltungstrakt als unzureichendbeanstandet

Im Rahmen des LuO Lounge-Konzepts erhalten auch die Lehrer einen eigenen Rückzugsbereich. Er kann jedoch nicht als Ersatz für die fehlenden Arbeits- und Sozialräume für 150 Lehrerinnen und Lehrer angesehen werden

DasRaumkonzept für die Lehrerzimmer muss der Tatsache Rechnung tragen, dass Lehrer zunehmend mehr ganztägig in der Schule tätig sind und hier auch ihre Unterrichtsvorbereitungen machen

(Die Finanzämter erkennen das häusliche Arbeitszimmer der Lehrer seit längerem nicht mehr an!)

Herrmann 29.03.2009


letzte Änderung: 08.09.2009
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