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Lesungen

 

Wenn die Bücher brennen

Bücher werden zwar keine verbrannt – aber überraschende Auftritte kann es am Freitag, dem 08. Mai 2009 um 19 Uhr in der Mensa der Lichtenbergschule schon geben, wenn die beiden Leistungskurse Deutsch 12 von Fritz Volz und Jan-Ulf Breitfeld zu einer szenischen Lesung einladen, um an die Bücherverbrennung der Nazis zu erinnern. Die Veranstaltung ist Bestandteil der Europawochen der Hessischen Europaschulen und des Tages für die Literatur in Hessen, der federführend vom Hessischen Rundfunk veranstaltet und von der Landesregierung unterstützt wird. Als Gäste werden Bundesjustizministerin Brigitte Zypries und Staatssekretär Andreas Storm aktiv teilnehmen.

Presseinformation

Plakat 8.5.

Seit Monaten schon bereiten die Schülerinnen und Schüler der beiden Leistungskurse die Lesung vor, recherchieren nach Autoren und suchen Texte aus. Im Vorfeld der Aktion wird es schon während der Woche überraschende Aktionen in der Schule geben, die auf die Veranstaltung hinweisen und das Thema im Unterricht zur Diskussion stellen. Verschiedene Schülergruppen aus den beiden Kursen werden in der Schule unterwegs sein, überraschend in Klassen auftauchen, kleine Aktionen starten und so immer wieder geistige Stolperfallen und Stolpersteine auslegen. Sequenzen aus diesen Aktionen werden original oder filmisch aufbereitet auch Bestandteil der szenischen Lesung sein.

Gelesen werden am 8.5. unter anderem Texte aus der ‚Bibliothek der verbrannten Bücher’, die vom Moses Mendelsohn Zentrum Potsdam herausgegeben wird. Die gesamte Bibliothek wird die Lichtenbergschule Darmstadt anschaffen, wozu auch eine nicht unerhebliche Spende der Sparkasse Darmstadt beigetragen hat.

Fritz Volz

Bericht darüber in Echo-Online:
http://www.echo-online.de/suedhessen/static/746456.htm

Angst vor Nazi-Schergen: Beklemmende LesungGeschichte: Lichtenbergschüler erinnern an die Bücherverbrennungen vor 76 Jahren

Zwei weißmaskierte junge Frauen werfen ein schwarzes Tuch über Miriam Ploch und führen sie von der Bühne. Die Schülerin hatte gerade aus Alfred Döblin Roman „Berlin, Alexanderplatz“, vorgelesen. Oberstufenschülerin Franziska Paul kommt mit ihrer Lesung aus Kurt Tucholskys „Lerne Lachen ohne zu weinen“, nicht weit. Ein Schuss aus dem Zuschauerraum lässt sie nach vorne stürzen, wieder beenden Weißmaskierte den Auftritt: Sie schleifen das Mädchen von der Bühne.

Mit einer szenischen Lesung erinnerten die beiden Deutsch-Leistungskurse der Bessunger Lichtenbergschule an die Bücherverbrennungen vor 76 Jahren. Überall in Deutschland wurden zwischen Mai und Juli 1933 Bücher öffentlich verbrannt. In Auszügen stellten Schüler aus der 12. Klasse Werke von Autoren vor, die vom NS-Regime verfolgt wurden.

Als Margarethe Görzen aus Ilfs „12 Stühle“ vorliest, spürt man Unsicherheit im Publikum. Jedes Knacken hinterm Vorhang, jeder Hustende im Saal lässt aufmerken. Ist das ein Signal? Kommen die Schergen wieder? Schließlich kündigen sie sich stampfend an. Vier weiß Maskierte stürmen im Gleichschritt die Bühne, nehmen Görzen fest und zerreißen das Buch.

Die Bücherverbrennungen 1933 waren hauptsächlich von konkurrierenden Studentenschaften organisiert, die sich bei den Nationalsozialisten andienen wollten. Auch Darmstadt hatte seinen Scheiterhaufen: Am 21. Juni verbrannte die Darmstädter Studentenschaft Bücher auf dem Mercksplatz.

Luise Köhler las aus Erich Maria Remarques „Im Westen nichts Neues“. Remarques Schilderungen schwerster Verwundungen im Ersten Weltkrieg (zerfetzte Gelenke, Männer mit weggeschossenen Unterkiefern) führen zu Köhlers Festnahme durch die weiß Maskierten.

Die Lichtenbergschule konnte zum Gedenktag zwei besondere Vorleser gewinnen: Die Darmstädter Bundespolitiker Andreas Storm (CDU) und Brigitte Zypries (SPD). Auch sie können ihre Lesung nicht beenden. Staatssekretär Storm wird beim Lesen aus Bertolt Brechts „Schlechte Zeiten für Lyrik“ von der Bühne gebrüllt, Bundesjustizministerin Zypries wird festgenommen, ausgerechnet „auf Anordnung des Justizministers“.

Schülerin Laura Schütze liest aus Erich Kästners „Kennst Du das Land, wo die Kanonen blühen?“ hinter einer Schattenwand, bleibt so aber unbehelligt. Die Idee zu der Veranstaltung wurde von den Leistungskurs-Lehrern Fritz Volz und Jan-Ulf Breitfeld „mit sanften Druck“ eingebracht, berichtete Deutschlehrer Volz über die Entstehung des Projekts. Danach aber entwickelte es sich zum Selbstläufer, betonte er. „Die Schüler haben die szenische Lesung komplett allein entwickelt.“

Die Werke wählten die Oberstufenschüler anhand der „Bibliothek der verbrannten Bücher“ aus, erklärte Schüler Christian Steinbrecht. Diese Bibliothek wird vom Potsdamer Moses Mendelsohn-Zentrum im Olms Verlag herausgegeben. 2008 erschienen die ersten zehn Bände, darunter Jack Londons „Martin Eden“ und Franz Kafkas „Beim Bau der Chinesischen Mauer“.

Die Lesung war aber auch eine Inspiration für die Zuschauer. „Ludwig Turek kannte ich gar nicht“ sagte eine Zuschauerin zu einem vorgestellten Autor. Turek war im Ersten Weltkrieg desertiert und hatte 1929 den autobiografischen Roman „Ein Prolet erzählt“ veröffentlicht. „Dieses und jenes Buch könnte man mal wieder lesen,“ stellte Martina Hübscher-Paul fest. „Die Werke von Kurt Tucholsky und Erich Kästner werde ich wieder rausholen.“

mawi12.5.2009


Kaminfeuer, Schnee und schwarzer Mond
 eine Lesenacht im Jugendhof Bessunger Forst

57 Schülerinnen und Schüler der Klassen 5a und 5e brachen am Freitag, dem 21. November 2008 morgens fröhlich in der LUO auf, um zum Jugendhof Bessunger Forst zu wandern. Das Gepäck wurde von hilfsbereiten Eltern schon zum Übernachtungsort gefahren. Nach dem kleinen Anstieg entlang der Kaserne sahen wir die Baumwipfel im Wind und verzichteten –in Absprache mit dem Revierförster- aus Gründen der Sicherheit auf die herbstliche Wanderung zu unserem Ziel. Wir kehrten also um und fuhren mit Bahn und Bus zum Jugendhof, wo zunächst die Räumlichkeiten erkundet und dann die Zimmer und Betten bezogen werden konnten.

Nach dem Mittagessen begannen dann die Lesungen, eine Origami-Werkstatt und Ballspiel-Gruppen. Jeder Schüler und jede Schülerin konnte aus verschiedenen Angeboten auswählen und sich die Teilnahme daran im Lesepass quittieren lassen. Der Jugendhof stellt für eine solche Lesenacht optimale Bedingungen bereit, da es einen großen Kaminraum für alle und noch einige Gruppenräume für die Einzellesungen gibt.

Ein herzliches Dankeschön an alle Leserinnen und Leser, die das bunte Programm mitgestaltet haben! Gelesen haben: Sabrina und Till aus der 5e aus Eoin Colfers „Artemis Fowl“. Alissia und Fiona aus der 5e lasen aus Kai Meyers „Die Wellenläufer“. Laura und Lara aus der 5a lasen aus: Louis Sachar: „Löcher. Die Geheimnisse von Green Lake“. Als Origami-Künstler betätigten sich Zibo, Lauritz, Jule und Nele aus der 5a. Beyzah aus der 5e und Gudrun Strempel lasen aus Cornelia Funkes Buch „Tintenherz“, Pauline und Konstantin lasen aus Michael Endes „Die unendliche Geschichte“. Beatrix Korber-Kraneis und Dounia aus der 5a bereiteten eine Buchvorstellung zu Andreas Steinhöfel „Der Beschützer der Diebe“ vor. Zibo aus der 5a und Jörn Strüber stellten Enyd Blytons „Fünf Freunde auf der Felseninsel“ vor. Aaron und Immanuel aus der 5e lasen aus Christopher Paolinis „Eragon – Das Vermächtnis des Drachenreiters“ vor. Unsere Fachfrau für Leseförderung, Daniela Diessl, stellte Otfried Preußlers „Krabat“ vor, Lea (5a), Sophie und Michel aus der 5e lasen aus Joanne K. Rowling: „Harry Potter und der Stein der Weisen“. Rosemarie Katz und Nils Sachse lasen aus Jenny Nimmo: „Charlie Bone und das Geheimnis der sprechenden Bilder“ und die Patinnen der Klasse 5a, Tini (Jg. 12) und Jana (Jg. 7) bereiteten Erich Kästners „Emil und die Detektive“ vor. Arthur und Mehmet aus der 5a lasen aus Andreas Schlüters Buch „Level 4 – Die Stadt der Kinder“. Alle Aktiven haben ihren Auftritt gut vorbereitet und wurden mit ganz viel Aufmerksamkeit und vielen Nachfragen von Seiten der Zuhörerschaft belohnt. Bücher lesen und darüber reden macht einfach ganz viel Spaß!

Nach dem Abendessen wurde dann der Kamin noch einmal angeheizt, denn um 20:00 Uhr kam die Autorin Gabriele Beyerlein und begann ihre Benefiz-Lesung für die Leseförderung der LUO mit einer spannenden Kamin-Szene aus Astrid Lindgrens Buch „Ronja Räubertochter“. Und als sie dann noch aus ihrem eigenen – in Eberstadt spielenden – Phantasy-Roman „Der schwarze Mond“ vorlas, war die Atmosphäre so dicht, dass allen Beteiligten klar wurde, dass sie sich mitten in einer echten Lesenacht mit einer echten Autorin im dunklen Wald am sicheren Kamin befanden...

Ab 22:00 Uhr durfte dann noch leise in den Betten weitergelesen werden.

Mit Jubel wurde der in der Nacht einsetzende Schnee begrüßt und am nächsten Morgen waren alle wieder früh auf den Beinen, um ihre Spuren im romantisch verschneiten Wald zu hinterlassen. Die Lehrer staunten, dass ein Schüler morgens um 8:00 Uhr bereits über seinem Buch „Der schwarze Mond“ gebeugt am Tisch saß, „weil das Buch so spannend ist“.

Kurzum, es war für alle Beteiligten eine sehr eindrucksvolle Lesenacht, die viel Spaß gemacht hat.

Das Lesenacht-Team: Gabriele Beyerlein, Gudrun Strempel, Daniela Diessl, Beatrix Korber-Kraneis, Marie Höfler, Debbie Knorr, Jana Lautenschläger, Tini Maier, Olaf Wermke, die Zivis vom Jugendhof, Rosemarie Katz, Dennis Kroeschell, Jörn Strüber und Margit Sachse.

 

 

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