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Blick über den Zaun

Eigentlich sind es ganz normale Menschen

Eine Schülerin berichtet über ihre Eindrücke von einem Besuch in der NRD

Viele Jugendgruppen, die meisten von ihnen Konfirmanden, besuchen im Laufe des Jahres die NRD. Was nehmen sie mit? Werden sie in Zukunft anders auf Menschen mit Behinderung zugehen? Werden sie Altersgenossen entgegentreten, die sich auf Kosten behinderter Menschen lustig machen? Selten gibt es dazu Rückmeldungen an Helmut Kloss, der in der Öffentlichkeitsarbeit für die Führungen von Besuchergruppen zuständig ist.

Eine ebenso eindeutige wie beeindruckende Rückmeldung erreichte ihn im vergangenen November, geschrieben von Annika Legscha, die die 7. Klasse im Darmstädter Lichtenberg-Gymnasium besucht. Mit ihrem Religions-Kurs hatte die Lehrerin Andrea Gerecke die NRD besucht und anschließend einen Bericht darüber als Hausaufgabe gegeben. Eine von vielen sehr guten Arbeiten, nämlich den Bericht von Annika Legscha, hat der Religions-Kurs zusammen mit einer Dankeschön-Karte an die Öffentlichkeitsarbeit geschickt. Man lese und staune, was ein 13jähriges Mädchen in einigen Stunden in der NRD aufgenommen hat.

Marlene Broeckers
NRD-Pressereferentin und
Beauftragte für Ehrenamt

 

 

Annika Legscha

Annika Lekscha

Am 6. Oktober 2009 habe ich zusammen mit meinem Religionskurs die Nieder-Ramstädter Diakonie besucht. Die dortige Diakonie wurde als „Anstalt für epileptische Kinder und Jugendliche“ im Jahr 1899 gegründet. Dort gibt es Wohnungen, Arbeitsangebote, Schulen sowie Beratung für Menschen mit Behinderung und deren Familien. Ziel der Einrichtung ist es, behinderten Menschen ein möglichst normales Leben zu ermöglichen, sie vor Isolation, Einsamkeit und Ausgrenzung zu schützen. Mittlerweile steht sie behinderten Menschen jeden Alters und mit verschiedensten Behinderungen zur Verfügung.

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Relikurs 7a der Luo

In der Diakonie arbeiten viele ehrenamtliche Mitarbeiter, denen es Spaß macht, sich sozial zu engagieren. Sie möchten etwas Gutes und Sinnvolles tun und anderen Menschen helfen und ihnen Freude bereiten, was ihnen selbst wiederum Freude bereitet. Sie können dort Fähigkeiten einbringen, die sie im „normalen“ Berufsleben vielleicht nicht brauchen, sie wollen unter Menschen kommen und/oder neue Erfahrungen sammeln und das soziale System mitgestalten, indem sie in ihrer Freizeit anderen Menschen helfen.

Ein Mann hat uns in der Diakonie herum geführt und uns alles gezeigt und einiges erklärt. Außerdem haben wir einen Film über die Arbeit der Diakonie gesehen und konnten uns so ein Bild über den Alltag der Leute Machen, die dort arbeiten undleben. Ich hatte vorher noch nie so nahen Kontakt zu behinderten Menschen. Manchen sieht man ihre Behinderung gleich an, weil sie sich „komisch“ bewegen oder merkwürdige Laute von sich geben. Das hat mich auch erschreckt, weil man schwer einschätzen kann, was sie im nächsten Moment machen. Aber eigentlich sind es auch ganz normale Menschen, die nicht gefährlich sind, sondern nur ein wenig anders. Sie sind nett und wollen auch so von uns behandelt werden. Ich denke, dass der Besuch in der Diakonie mir geholfen hat, Berührungsängste abzubauen und dass mir die Menschen dort nicht mehr so fremd und unheimlich sind. Sie freuen sich, wenn man etwas mit ihnen macht und sie ganz normal behandelt. Sie selbst fühlen sich oft gar nicht behindert und können nicht verstehen, wenn andere Menschen ablehnend reagieren. Ich habe viel über ihr Leben, ihre Gefühle und ihren Alltag gelernt.

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In der Diakonie

Manche gehen dort einer Arbeit nach oder zur Schule und gehen abends dann wieder nach Hause zu ihren Familien. Andere leben in der Einrichtung mehr oder weniger selbstständig. Die Diakonie hilft behinderten Menschen in jedem Alter, Kindern, Jugendlichen bei dem Auszug aus dem Elternhaus, Erwachsenen in Berufsleben und älteren Menschen, die noch mehr Hilfe benötigen. Die Diakonie bietet Hilfe bei der Partnersuche und beim Finden von Freunden. In den Werkstätten gibt es vielfältige Angebote für verschieden schwere Behinderungen, bei denen die Menschlichkeit und die Atmosphäre am wichtigsten sind und nicht die Leistung.

In der Diakonie gibt es fest angestellte Arbeitskräfte, aber auch viele freiwillige Helfer, die für ihre Arbeit kein Geld bekommen. Um dort helfen zu können, braucht man nur Freude daran und Einführungsvermögen.

Mir hat es sehr gefallen, behinderte Menschen kennen zu lernen. Vielen sind Behinderte fremd und sie verunsichern sie, daher gehen viele Leute auf Distanz.

Mit behinderten Menschen zu arbeiten, gibt auch den Helfern viel, denn die Behinderten freuen sich und geben die Freude zurück. Sie wollen möglichst normal sein und auch so behandelt werden. Wichtigstes Ziel ist, sie zu akzeptieren und zu integrieren anstatt ihnen aus dem Weg zu gehen oder sie in abgegrenzte Gebiete abzuschieben.

Ich hätte gerne mehr Zeit dort verbracht und noch mehr gesehen. Es war ein sehr interessanter Ausflug, bei dem ich viel Neues gelernt habe. Auf jeden Fall werde ich in Zukunft anders reagieren, wenn ich einen Menschen mit einer Behinderung treffe, keine Angst mehr haben, sondern freundlich auf ihn zugehen. Und ich kann mir auch vorstellen, wenn ich noch etwas älter bin, selbst in meiner Freizeit etwas mit den Menschen dort zu machen.

Text Annika Legscha, Klasse 7c Fotos Marlene Broeckers

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